In New Yorks Straßen Geschichte schreiben: The Roving Typist Mark Cersosimo
Interview

In New Yorks Straßen Geschichte schreiben: The Roving Typist

Christopher Hermelin aka The Roving Typist ist ein Straßenpoet. Mit seiner Schreibmaschine zieht er durch New York und schreibt Geschichten für Fremde. Wir haben den Roving Typist interviewt.

urbanlife.de: Christopher, was genau ist das Projekt The Roving Typist?
Christopher Hermelin: The Roving Typist – das bin ich. Genauer gesagt ich und meine Schreibmaschine. Mit ihr ziehe ich durch New York und schreibe Kurzgeschichten für Passanten.

urbanlife.de: Wie lange schreibst du an einer Geschichte?
Christopher Hermelin: Im Schnitt brauche ich zwischen sieben und zehn Minuten.

urbanlife.de: War Schreiben schon immer deine Leidenschaft?
Christopher Hermelin: Ja, definitiv. Als ich vier Jahre alt war, habe ich zu meine Eltern gesagt, dass ich Schriftsteller werden will. Das ist der Beruf, dem ich immer nachgehen wollte.

urbanlife.de: Was schätzt du an dem Projekt The Roving Typist?
Christopher Hermelin: Das Schöne an The Roving Typist ist, dass man in gewisser Weise zusammen arbeitet. Fremde sagen mir beispielsweise ein Wort oder nennen mir eine Situation, die in der Geschichte vorkommen soll und ich bringe sie dann so in meine Story ein, wie es mir eben in den Kopf kommt. Die fertige Geschichte hat so einen magischen Moment an sich.

urbanlife.de: Warum schreibst du deine Geschichten eigentlich auf einer Schreibmaschine?
Christopher Hermelin: Eine Schreibmaschine eignet sich am besten, um Kurzgeschichten zu schreiben. Die Leute nehmen einen damit besser wahr, weil es ein altes Gerät ist, das man heute kaum noch sieht. Ich liebe den Sound der Schreibmaschine und kann den Passanten ihre Geschichte sofort mitgeben, weil ich keinen Drucker brauche.

©Kirsten McNally; The Roving Typist schreibt Kindern eine Geschichte

urbanlife.de: Wer möchte denn von dir Geschichten haben?
Christopher Hermelin: Pärchen, Kinder, alte Leute oder auch eine Gruppe von Freunden. Auf meiner Homepage kann man zudem die Geschichten online in Auftrag geben. Da bekomme ich Anfragen aus der ganzen Welt. Man muss nicht in Amerika wohnen, um eine Geschichte von mir zu bekommen. Ich verschicke sie weltweit.

urbanlife.de: Was kostet eine Geschichte?
Christopher Hermelin: Das entscheidet jeder selbst. Ich verlange keinen festen Preis. Jeder zahlt das, wie viel ihm die Geschichte wert ist.

urbanlife.de: Was war in deinen Augen die schönste Geschichte, die du bisher geschrieben hast?
Christopher Hermelin: Ob es die schönste war, weiß ich nicht, aber vor kurzem habe ich eine Geschichte für ein Mädchen verfasst, die mir sehr gut gefallen hat. Ich sollte eine Geschichte über die Verlobung ihrer Großeltern schreiben. Alles, was sie mir sagte, war, dass sie sich an Weihnachten verlobt hatten. Ich liebe Weihnachten und alles, was man damit verbindet und so habe ich viele Details in die Geschichte einbauen können. Dem Mädchen hat’s gefallen, also war es wohl ein Erfolg.

urbanlife.de: Was inspiriert dich bei deinen Geschichten?
Christopher Hermelin: Am meisten inspiriert mich die Person, für die ich schreibe. Außerdem inspirieren mich Schriftsteller wie Dave Eggers, Lydia Davis, Simon Armitage und Amy Hempel bei meiner Arbeit.

urbanlife.de: Was machst du neben The Roving Typist beruflich?
Christopher Hermelin: Ich arbeite als Literaturagent im Verlagswesen.

urbanlife.de: Vielen Dank für das Interview, Christopher!

Wenn ihr auch eine Geschichte wollt, könnt ihr The Roving Typist schreiben.

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Dieser Beitrag stammt von Derk und dem urbanlife-Team